Einleitung

Liebe Leserin, lieber Leser!

Kennen sie den Unterschied zwischen Kanufahrern und Ruderern?
Bemerkt ein Kanufahrer auf einer Tour am Ufer des befahrenen Gewässers eine Kneipe, so wird ihm diese die Worte „Hurra, da vorne kommt eine Kneipe, da kann ich etwas trinken!“ entlocken. Anders bei den Ruderern, die Reaktion wäre hier folgende: „Verdammt, da hinten war eine Kneipe, da hätte ich etwas trinken können!“
Diesem gerne von Kanufahrern erzählten „Witz“ nach zu urteilen, könnte man meinen, Kanuten hätten mehr Spaß als die „falsch herum“ sitzende Konkurrenz.
So weit so gut. Trotz des oben beschriebenen Umstandes zog es mich, nachdem ich immerhin ein paar mal in einem Kanu gesessen hatte, dann doch mehr zu den vermeintlich unglücklichen, weil an jeder Kneipe vorbeifahrenden Ruderern hin. Im Jahr 2000, ich war ein 13-jähriger Dreikäsehoch, öffnete sich die Tür meines Klassenraumes, und einige merkwürdige, aber dennoch „cool“ aussehende Schüler kamen herein und stellten sich sogleich als Angehörige des GRC vor. Schnell wurden meine Klassenkameraden und ich darüber aufgeklärt, wofür diese Abkürzung steht: Gymnasial-Ruder-Club. Der Rest ist schnell erzählt: Ich wurde Anfänger im GRC, fand Spaß an der sportlichen Betätigung und dem Beisammensein mit vielen neuen Freunden, die ich in diesem Verein kennenlernte. Nun, da ich mein Abitur abgeschlossen habe, werde ich wohl bald Mitglied im AHV (AltHerrenVerband) sein. Wie es der Zufall so will, wird genau in diesem Jahr, 2006, eben jener GRC, der es seit Jahren schafft, immer wieder am ersten Maiwochenende bei der EuropäischenRheinRegatta (EUREGA) den Preis als bester Schülerruderverein mit nach Hause zu nehmen, hundert Jahre alt. Und mir wird sowohl die Arbeit als auch die damit verbundene Ehre zuteil, eine Art Festschrift zu diesem Anlass zu verfassen. Dann mach‘ ich das doch! Ich werde versuchen, Ihnen auf den nächsten Seiten einen Rück- und Überblick über die Aktivitäten meines Lieblingsvereins in den letzten 100 Jahren zu geben, und dabei auf das ein oder andere Detail einzugehen. Der Kernteil dieser Arbeit ist eine geschriebene Fassung der Vereinsgeschichte.

100 Jahre GRC

Einhundert Jahre, das ist leicht gesagt, aber schwer zu realisieren. 1906, damals war die Titanic noch nicht untergegangen, niemand wusste, dass es in acht Jahren zum ersten Weltkrieg kommen würde. Aber in genau diesem Jahr wurde der Gymnasial-Ruder-Club am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium (das diesen Namen auch erst viel später erhalten sollte) in Bonn gegründet.
Zu dieser Zeit konnte kaum jemand ahnen, dass es mal so etwas wie Kunststoff, oder gar Carbon oder Kevlar geben würde, und dass diese Werkstoffe einmal das Erscheinungsbild von neumodischen Ruderbooten prägen sollten. Damals wurden Boote noch komplett aus Holz und Kupfernieten hergestellt, wenn man mal gewisse An- und Einbauteile unbeachtet lässt. Ein ziemlich gutes Beispiel für diese kaum noch praktizierte Handwerkskunst ist unser Methusalem Ruhr. Ein Boot, dem man zumindest in manchen Momenten ein gewisses Eigenleben nachsagen könnte, und das es über die Jahre durch seinen ungebrochenen Überlebenswillen, unterstützt durch Generationen von Bootswarten, zu einer Ehre gebracht hat, die sonst einem Ruderboot nicht zuteil wird. Ruhr ist zwar sozusagen der Stammesälteste, aber der Stamm hat viele Mitglieder. Um Sie auch über den sonstigen Teil des GRC-Bootsparkes zu informieren, habe ich zu jedem Boot ein paar Zeilen geschrieben.
Einhundert Jahre GRC, das sind auch 100 Jahre Fahrtenbucheinträge. Diese vielen insbesondere in der Zeit vor 1990 ziemlich seriös und ernst aus, es fanden sich jedoch trotzdem einige, meiner Meinung nach schöne Ausnahmen, die dafür sorgten, daß es eine angenehme Arbeit war, die alten Fahrtenbücher durchzulesen. Das habe ich getan. Leider lagen mir nicht mehr alle Fahrten-bücher der vergangenen 100 Jahre vor, sondern lediglich die Aufzeichnungen der 50er bis 70er, sowie die der 90er. Die restlichen sind entweder nicht mehr erhalten, oder nicht auffindbar. Aber auch aus den vorhandenen ist eine schöne Sammlung besonderer Einträge hervorgegangen, die ich Ihnen nicht vorenthalten will.
Bei meinen Recherchen habe ich mehrere Jahresberichte des heutigen Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums nach Aufzeichnung des GRC durchforstet, und dabei auf viele uninteressante Fakten gestoßen, aber auch auf ein paar bemerkens-werte Textfetzen, die meist vom Leben im GRC berichten. Sie finden sie unter „So war das damals…“.
Außerdem werden sie in dieser Festschrift Grußworte an den GRC von unserer Oberbürgermeisterin der Stadt Bonn, Bärbel Dieckmann, vom Schulleiter des EMA, Dr. Uwe Bettscheider und den Vorsitzenden des AltHerrenVerbandes, dem Verein der ehemaligen GRCer, Daniel Naumann und Stefan Kleeschulte, finden.
Und was in den einzelnen Artikeln drinsteht… Das müssen Sie, liebe Leserin, lieber Leser, schon selbst herausfinden. Ich möchte Ihnen viel Freude dabei wünschen.