Die Geschichte des GRC

Wie alles begann

1906 geschah es, dass 13 Oberstufenschüler des „Städtischen Gymnasiums und Realgymnasiums“, heute -wer hätte es gedacht- Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium, offensichtlich den Rudersport schätzten und daher desöfteren als Gäste beim „Ruderverein am Königlichen Gymnasium“ (Heute Gymnasial-Ruder-Verein am Beethoven-Gymnasium) die Skulls und Riemen schwangen. Nach einiger Zeit wurde klar, dass „Gastrudern“ nicht das Wahre sei, ein eigener Verein musste her. Diese Tatsache führte, mit Hilfe von Turnlehrer Landau und Direktor (von nun an auch Protektor) Niepmann, zur Gründung des „Ruderclub am Städtischen Gymnasium und Realgymnasium“. Man musste wohl schon nahezu poetische Fähigkeiten haben, um diesen Namen ob seiner Länge schnell und fehlerfrei aufzusagen. Daher etablierte sich schon bald der zunächst inoffizielle Name „Gymnasial-Ruder-Club“, abgekürzt durch die Buchstaben GRC.
Im Herbst 1906 wurde dann die Satzung des neuen Vereins festgelegt, durch eine erste Mitgliedervollversammlung ein erster Vorstand gewählt, und der Turnlehrer Landau wegen seiner Verdienste an dem jungen Verein zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Damit war das Fundament eines Rudervereines geschaffen, allerdings fehlten immer noch beträchtliche Teile zur Vollendung: Ein Bootshaus, und natürlich: Boote. Man pachtete also ein Grundstück, entwickelte Pläne für das Bootshaus, und beantragte eine Bauerlaubnis. Diese ließ jedoch eine gewisse Zeit auf sich warten, und die Ruderer mussten im nächsten Jahr ihre 5 neuen, ja taufrischen Mitglieder, noch beim „Ruderverein am Kgl. Gymnasium“ ausbilden. Was wäre das heutzutage für eine Schmach!

Die ersten Boote, aber wohin damit?

Im Herbst 1907 ging es jedoch zumindest ein wenig bergauf: Das erste Boot, der nagelneue Vierer „Wellgunde“, wurde für 1.500 Mark aus Frankfurt nach Bonn gekauft. Das Geld konnte durch Spenden der Eltern aufgebracht werden. Ostern 1908 bekam man endlich die Bauerlaubnis für das Bootshaus. Dummerweise hatte man das gepachtete Grundstück mittlerweile anderen Aufgaben gewidmet, und man suchte ein neues Grundstück. Vergeblich, wie sich herausstellte, und nach einigem Überlegen schien die einzige Lösung des Problems darin zu bestehen, ein schwimmendes Bootshaus zu bauen.
Man trat also in Verhandlungen mit der „Aktiengesellschaft für Verzinkerei und Eisenkonstruktion Rheinbrohl“, bekam im April 1909 die Bauerlaubnis, und sammelte 2.000 Mark Spenden ein, einen Zuschuss von 250 Mark von der Stadt Bonn. Desweiteren übernahmen der Geheimrat Professor Cosack und Sanitätsrat Gudden, Väter zweier Gründungsmitglieder, eine Bürgschaft über den Restbetrag.
Für 700 Mark kam das zweite Boot, der Vierer „Woglinde“ hinzu, der auf einer Wanderfahrt von Frankfurt nach Bonn gebracht wurde.

Das erste Bootshaus

Auszug aus dem Jahresbericht 1909:
„Am Morgen des 5. Mai verbreitete sich unter den Mitgliedern die frohe Kunde, dass gegen 1 ½ Uhr das Bootshaus in Bonn anlegen werde. […]
Pünktlich, zur angegebenen Zeit erschien das Bootshaus, hell beschienen von der Sonne, gezogen von einem Schleppdampfer, freudig begrüßt von den anwesenden Mitgliedern. Als es unter der freundlichen Leitung des Städtischen Bademeisters Busch am Ufer festgelegt war, wurde es eingehend besichtigt, geprüft und für gut befunden.“
Mit der Ankunft des eigenen Bootshauses begann eine neue Zeit für den GRC. Die Mitgliederzahl stieg innerhalb eines Jahres von 13 auf 34 an, was einen starken Ausbau der Kilometerleistung des Vereins zur Folge hatte. Mehr Mitglieder, mehr Boote: Der Skullzweier „Ägir“ wurde den Schülern vom BonnerRuderVerein 1882 (BRV) überlassen.

Aufschwung

Es wurden mehr Wanderfahrten denn je veranstaltet, so auch die erste Lahnfahrt zu Pfingsten. Diese Fahrt wurde zur Tradition, und wird heute immer noch jedes Jahr aufs neue durchgeführt, um den Anfängern, die heute nur noch Anfänger und nicht mehr „Füchse“ genannt werden, einen Einblick ins Rudern zu vermitteln.
Im Jahresbericht der Städtischen höheren Schulen Bonns steht im Jahre 1909 vermerkt: „Am 31. Juli feierte der Ruderklub sein Stiftungsfest in Form einer Regatta. Dabei schlug eine Vierermannschaft eine solche des Rudervereins am Königl. Gymnasium.“ Dies sollte in den kommenden 97 Jahren noch öfters vorkommen.
Mitte Oktober, immer noch 1909 wurde dann das Bootshaus vom Ufer gelöst, und in den Oberwinterer Hafen geschleppt, um dort zu überwintern. Damit endete ein sehr ereignis- und erfolgreiches Jahr für den GRC.

Im März 1910 kam das Bootshaus wieder in Bonn an, und man nahm den Ruderbetrieb wieder auf. Hier ist eine Vergleichsregatta zu erwähnen, zu der der GRC neben dem GRV erstmals 5 Vereine aus Koblenz, Neuwied, Traben-Trarbach und Mülheim an der Ruhr einlud.
Mittlerweile war die Zeit soweit vorangegangen, dass die Gründungsmitglieder nach Ablegen der Reifeprüfung aus dem Club ausschieden. Auf Initiative von Hans Fritsch, der im Jahre 1906 erster Vorsitzender des neuen Ruderclubs war, wurde im April 1911 der Altherren-Verband gegründet.
In den Jahren vor Beginn des ersten Weltkrieges konnte die Ruderleistung weiterhin gesteigert werden, unterstützt von zwei neuen Booten, dem Vierer „Flosshilde“ (1912), und dem Zweier „Albrich“, der die mittlerweile nicht mehr verwendete „Ägir“ ersetzen sollte (1914).

Kriegszeiten

Mit dem ersten Weltkrieg begann, trotz weiterhin guter Kilometerleistungen eine Zeit der Entbehrungen und Einschränkungen: Viele der älteren Mitglieder wurden zum Heer eingezogen. Im Jahre 1917 steht im Jahresbericht: „Der Ruderbetrieb, der Anfang des Jahres sehr rege zu werden versprach, wurde leider durch den landwirtschaftlichen Hilfsdienst sehr gestört. Fast sämtliche Senioren und ein großer Teil der Füchse betätigen sich im Hilfsdienst und konnten gar nicht oder nur abends sich dem Rudersport widmen…“
Nach dem Krieg bestimmten die englischen Besatzer, dass auf dem Bonner Rheinabschnitt keine „Vergnügungsboote“ den Weg des Trajekts (Eisenbahnfähre – Anm.) südlich von Bonn kreuzen durften. Für Ausnahmen mussten Anträge über die Zivilbehörde an den kommandierenden Offizier der Rhein-Militärpolizei gestellt werden. Welch ein Aufwand! (Ebenfalls wurde auf dem Bekanntmachungsblatt erwähnt, dass von nun an der Verkauf von Eiern an die britischen Truppen erlaubt sei. Sehr sinnvoll.)

Rekorde und ein neuer Name

1933 wurde zum ersten Mal in der Geschichte des GRC die 20.000km-Marke geknackt. Auf 1385 Ausfahrten, darunter eine Wanderfahrt von Wien nach Budapest, wurden 21.471 Kilometer gerudert. Auf dem Stiftungsfest wurden der Vierer „Südtirol“ und der Zweier „Danzig“ getauft.
Im darauf folgenden Herbst wurden die bisher separat agierenden Schulen, die Oberrealschule und das städtische Gymnasium und Realgymnasium, zusammengeschlossen. Da beide Schulen Rudervereine hatten, vereinten sich auch diese: Der „Ruderverein an der städtischen Oberrealschule“ (R.V.O.) und der „Gymnasial-Ruder-Club am städtischen Gymnasium und Realgymnasium“ schlossen sich zum „Gymnasial-Ruder-Club am städtischen Gymnasium Bonn“ zusammen. Der so entstandene, „neue“ Club übernahm die Flagge des R.V.O., die seitdem beibehalten wurde.

Neue Gefahren

Der durch die Vereinigung nun ziemlich starke Verein hatte allerdings nicht sonderlich viel Zeit zum feiern. Die politische Situation hatte sich geändert, auch für die Schülerrudervereine: Sie sahen sich von nun an mit der Tatsache konfrontiert, dass im Mai 1934 eine Vereinbarung zwischen dem „Westdeutschen Schülerruderverband“ und der Gebietsführung der Hitlerjugend getroffen worden war, die die Auflösung aller selbstständigen Schülerrudervereine vorsah und diese auch durchsetzten sollte. Nun wurde im GRC spekuliert, wie man diesem Schicksal entrinnen könne. Hierbei wurde die Angliederung an den „Bonner Ruder-Verein 1882“ in Erwägung gezogen, letztendlich aber doch zu einer einfacheren Lösung des Problems fallen gelassen: Ab 1937 wurden auf Initiative der Protektoren Dr. Frings und Nikolaus Daub, mit Zustimmung des Vereins und des AHV, Bootshaus und Bootsmaterial der Schule überlassen. Von nun an fand das Rudern als Turnunterricht „getarnt“ im Rahmen einer schulischen Veranstaltung statt, und umging somit das neue Gesetz. Der GRC blieb, zumindest in den Hinterköpfen der Mitglieder, bestehen. Im zweiten Weltkrieg wurden Bootshaus und Boote allerdings entweder zerstört oder derartig stark beschädigt, dass das Aufrechterhalten des Ruderbetriebes nicht möglich war.

Neuanfang

1947 wurde innerhalb der Bonner Rudergesellschaft (BRG) eine Schülerriege gebildet, aus der 1956 durch Unterstützung von Studienrat Fritz Goebels der GRC als selbst-ständiger Schülerruder-verein neu entstand. Neben dem Ehrenvorsitz übernahm Fritz Goebels zunächst auch die Aufgabe des Protektors. Ihm war es zu auch zu verdanken, dass der GRC noch im gleichen Jahr seinen ersten Achter bekam, der dann im Rahmen des Schulsportfestes vom Vorsitzenden des AHV, Dr. Max Behre, Herrn Goebels zur Ehre auf den Namen „Fritz“ getauft wurde. Außerdem verzeichnete der Jahresbericht 1956 folgende Boote im Besitz des Gymnasial-Ruder-Club: „Klabautermann“, ein Dreier, der mittlerweile den GRC-Raum in der Schule ziert, und die Vierer „Otto Landau“, „Rhein“, „Bonn“ und „E.M. Arndt“.
Im Jahre 1958 kam der Dreier Neptun als neues Mitglied in der GRC-Bootsfamilie hinzu. In diesem Jahr fand auch die erste Vergleichsregatta der „Arbeitsgemeinschaft der Bonner Schüler-Ruderer“ statt, die der GRC mit Siegen im Achter, Vierer und Dreier für sich entschied.

Weiter bergauf trotz Splitterholz

Die folgenden Jahre verliefen wieder erfolgreich, und es konnten mit „Nixe“, „Ehemaliger“, „Berlin“ und „Alter Herr“ vier neue Boote eingeweiht werden, was auch zu wachsenden Erfolgen auf Regatten beitrug, beispielsweise konnte der GRC sowohl im Jahre 1964 als auch 1965 die NRW-Landesmeisterschaft im C-Riemen-Vierer als auch die Vizemeisterschaft im Achter aus Essen mit nach Bonn nehmen.
1965 wurde Nikolaus Daub, der 4 Jahre lang der Nachfolger von Fritz Goebels als Ehrenvorsitzender und Protektor gewesen war, in den wohl-verdienten Ruhestand versetzt. Jürgen Theuerkauff wurde sein Nachfolger. Leider begann sein erstes Amtsjahr eher negativ: Beim Anrudern unterschätzte die Mannschaft des Achters „Fritz“ die Strömung des durch Hochwasser noch mächtigeren Rheins, was damit endete, dass das Boot auf das erste Hindernis der überfluteten Südspitze der Insel Nonnenwerth gedrückt wurde. Es zerbrach dabei in drei Teile und ging somit in die ewigen Rudergründe ein. Die Mannschaft war gezwungen, ein wenig im Rhein schwimmen zu gehen, kam ansonsten aber mit dem Schrecken davon. Trotz diesem schweren Schlag blieb der GRC auch dieses Jahr auf den Regatten erfolgreich.

Bootshauswechsel

Im Juli 1966 wurde das alte GRC-Bootshaus an der Hermann-Ehlers-Strasse „eingestanzt“, da das Gelände zum Bau des „Langen Eugen“ gebraucht wurde. Der Verein musste das Haus verlassen, und wurde zusammen mit dem Schüler-Ruder-Club (SRC) am Friedrich-Ebert-Gymnasium Bonn, der 1956 gegründet worden war, im alten städtischen Wasserwerk untergebracht, einem „historischen Bauwerk“. In der ehemaligen Maschinenhalle, die nun von den Schülerrudervereinen genutzt wurde, soll vor Jahren die erste Dampfmaschine in der Geschichte der Stadt Bonn gestanden haben. Schön und gut, als Bootshaus war das Gebäude allerdings völlig ungeeignet, da es über keinen Umkleide- oder gar Clubraum verfügte, und auch die Bootshalle für zwei Vereine viel zu eng war. Man tröstete sich damit, dass es sich bei der Zeit im alten Wasserwerk nur um eine Übergangsphase handeln sollte, und zwar so lange, bis das neue, versprochene Bootshaus fertiggestellt sei. Man musste allerdings doch noch 8 Jahre mit diesem unpraktischen Provisorium leben.>br>

Kilometer und geschmackliche Entgleisungen

1967 betrug die Kilometerleistung des Vereins 33.500 km, der GRC entwickelte sich zum dominierenden Bonner Schülerruderverein, und hatte nach Informationen des Deutschen Ruder-Verbandes die zweitbeste Kilometerstatistik aller Schülerrudervereine in der gesamten Bundesrepublik.
Im Jahre 1968 übernahm der GRC den B-Vierer „Juffer“ vom BRV 1882, der erst einmal in “Loreley“ umbenannt wurde, um später unter dem Namen „08/15“ aufzufallen. Das Boot wurde von innen lila lackiert, und von außen mit sämtlichen vorhandenen Farbresten in künstlerischer Weise unter Leitung von Friedhelm Aufenanger knallbunt bemalt. Dies machte die 08/15 zu einem der beliebtesten Boote bei den Ruderern. Schließlich befand man sich im Jahr 1968. Noch Fragen?

Schulrudern und Meistertitel

1969 wurde Alfons Obladen, der nach Herr Theuerkauff und Albert Pfeffer Protektor gewesen war, von Gert Pagel abgelöst. 1971, als sich endlich erste Pläne zum Bau des neuen Bootshauses konkretisierten, gründete Herr Pagel die „Neigungsgruppe Rudern“ (heute: Rudersportkurs). Sie gibt den Schülern der Oberstufe die Gelegenheit, im Rahmen des Sportunterrichts zu rudern, und somit das Rudern in die Sportnote einfließen zu lassen. Somit konnte man im Abitur einen Sportkurs einbringen, dessen Note zu 50% aus den Leistungen im Rudern bestand. Herr Pagel gab den Trainingsmannschaften nicht nur Gelegenheit, im Sportunterricht Regattatraining zu betreiben, sondern führte auch das Konditionstraining ein, das obwohl es bei den Mitgliedern ob seiner Härte recht unbeliebt war, die sportlichen Erfolge noch zu steigern vermochte.
Diese Arbeit gipfelte im Jahr 1973, als Norbert Paffenholz, Klaus Schwarze, Randolf Dingeldey, Ralph Schäfers und Steuermann Thorsten Wahlers sich bei der Landesregatta in Essen für den Start beim Finale des Wettbewerbs „Jugend trainiert für Olympia“ in Berlin qualifizierte, und auch bei der Meisterschaft in Berlin siegreich blieb. Sie holten den Titel eines „Deutschen Schülermeisters im C-Riemen-Vierer“ nach Bonn. Als dieser Erfolg im darauf folgenden Jahr von einer anderen Mannschaft des GRC durch erreichen der Vizemeisterschaft bestätigt worden war, flossen die Zuschüsse von Stadt und Land wieder reichlicher. Dadurch konnten noch im selben Jahr das Skiff „Tierchen“, der Kunststoff-Zweier „Emma“ der Kunststoff-Dreier „Triton“ sowie die gebraucht gekauften Boote „Krümelmonster“ (A-Vierer) und „Alte Dame“ (C-Vierer) angeschafft werden.

Das neue Bootshaus

Die „Emma“ wurde im Rahmen der Einweihung des endlich fertig gestellten, neuen Bootshauses am 11. Mai 1974 getauft. Die Zeremonie wurde durch den damaligen Bonner Oberbürgermeister Krämer, der sich zur Überraschung der versammelten Gäste als früheres GRC-Mitglied vorstellte, vollzogen.
Bei dem neuen Bootshaus handelte es sich um einen relativ großen Anbau an das Bootshaus des Bonner Ruder-Verein 1882, der in dankenswerter weise sein Grundstück zur Verfügung stellte, und so den Bau möglich machte. Dies wurde unterstützt durch die vielen ehemaligen GRC-Mitglieder, die mittlerweile beim BRV ruderten, und nicht zuletzt durch die Stadt Bonn, die die Finanzierung sicherstellte. Sonst wäre aus dem Bootshaus vermutlich nicht viel geworden.
Die Bootshalle des –mittlerweile nicht mehr vom GRC genutzten, aber dazu später- Anbaus ist etwa 30 Meter lang und bot im Untergeschoss jeweils einen Umkleide- und Clubraum für GRC und SRC, Duschen und Toiletten. Kein Wunder also, dass die Aktiven mehr Spaß denn je am Rudern fanden, und mit vielen Wanderfahrten auf Rhein, Mosel und Lahn, sowie einer Fahrt von Basel über Straßburg nach Paris eine bisher nie dagewesene Kilometerleistung von 57.000 zustande brachten.
Durch Wilfried Hollenhorst und Horst-Werner Wollenweber wurde dem GRC zur Einweihung des Bootshauses eine Vitrine geschenkt, in der, in der Schule montiert, von nun an die auf Regatten gewonnenen Pokale des Vereins ausgestellt wurden. Und da war noch was in diesem Jahr: Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte wurden Mädchen (!) in den GRC aufgenommen. Bei der Planung des Bootshauses hatte man hiermit natürlich nicht gerechnet, aber das so entstandene „Problem“ wurde ziemlich schnell durch „schichtweises Umziehen“ gelöst.

Das „Spätmittelalter“

Im Jahre 1975 kam der Empacher-Rennzweier „Wasserläufer“ zur Bootsfamilie hinzu, das erste neue Rennboot im GRC nach dem Ende des zweiten Weltkrieges.
1976 wurde in kleinem Rahmen das 70-jährige Jubiläum des Vereins begangen, allerdings ermöglichte der „Verein der Freunde und Förderer des E.M.Arndt-Gymnasiums“ durch eine Spende zu diesem Anlass den Erwerb des Skiffs „Pflänzchen“.
1979 legte Herr Pagel sein Amt als Protektor nieder, nachdem er ein Jahrzehnt lang den GRC betreut und nach Kräften unter-stützt hatte. Er etablierte nicht nur das Schulrudern, sondern führte den GRC in das neue Bootshaus und ermöglichte in seiner Amtszeit die Anschaffung von insgesamt acht fabrikneuen Booten. Seine Nachfolge trat Norbert Paffenholz an, der nicht allzu lange vor seiner Arbeit als Protektor noch sehr erfolgreich aktiv im GRC gerudert hatte.>br> In seinem ersten Amtsjahr, 1980, erreichte der GRC eine Rekord-Kilometerstatistik von 80.246 geruderten Kilometern. Als Neuzugänge im Bootspark waren der Vierer „Titanic“, der Dreier Navis und das Skiff „Champion“ zu verzeichnen.
In den darauffolgenden Jahren lebte man sich nahezu perfekt im neuen Bootshaus ein, man installierte einen Werkraum, der von nun an zum Zentrum des Bootsdienstes werden sollte. Der Verein machte gute und schlechte Zeiten durch, hatte zeitweise mit einem sehr starken Mangel an Mitgliedern zu kämpfen, der aber spätestens im Jahre 2000 endete. Bis zu diesem Punkt hatten, nach der Ablösung von Herrn Paffenholz im Jahre 1983, Ludwig Hürter von 1983 bis 1991 und danach Felix Nettekoven von 1992-1998 den Verein lange Jahre als Protektoren unterstützt.

Die Neuzeit

1999 wurde Michael Anding Protektor, und ein Jahr später, also im Millenium-Jahr 2000 kam der fabrikneue Riemen-Vierer „MS Carpatia“ (es handelt sich wirklich um ein Motorschiff, allerdings sind WIR die Motoren) beim GRC an. Die Jungfernfahrt fand am 6. Mai 2000 statt, das Boot wurde von vier starken Oberstufenschülern gerudert und von niemand geringerem als unserem Protektor Herr Anding gesteuert.
Wie schon erwähnt brachte das Jahr 2000 die erfolgreichste Anfängerwerbung in der Geschichte des GRC. 70 Anfänger, zu denen damals auch ich gehörte, zankten sich um die Plätze für die Lahnfahrt von Limburg nach Bonn, die immer noch traditionell jedes Jahr durchgeführt wird und einen der Höhepunkte eines jeden Ruderjahres bildet. Wie jedes Jahr entdeckte während der Fahrt und in den Monaten danach ein Großteil der Anfänger, dass sie mit dem Rudersport nicht so viel anfangen können, und vielleicht doch lieber zu Hause Computer spielen, oder Ähnliches.
Ein gewisser harter Kern blieb jedoch dabei. Ausserdem fanden Wanderfahrten auf Elbe, Mosel, und dem Main statt. Die Erfolge bei den Anfängerwerbungen sollten noch die beiden nächsten Jahre anhalten: Der GRC wurde geradezu von interessierten Anfängern überschwemmt, und mit der Zeit trennte sich dann das Pils vom Weizen, oder so ähnlich. So riss 2001 der „Anfängernachschub“ nicht ab, und man konnte ein relativ normales, erfolgreiches Ruderjahr mit –wie immer- Pfingstfahrt auf der Lahn, sowie Fahrten auf dem Rurstausee, der oberen Lahn und zwei Moselfahrten genießen.
Im Jahr 2002 gab Herr Anding seinen Posten als Protektor ab, da er auch das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium verließ, um eine Stelle im Ministerium in Düsseldorf anzunehmen. Mit ihm ging dem GRC ein guter und vor allem freundlicher Protektor verloren, der einen sogar mit dem Motorrad auf Lahnfahrten besuchen kam und die Anfänger stets für den GRC begeisterte. Seine Nachfolge traten Helmut Roos und Norbert Schmelz an.
In der nächsten Zeit passierte nicht viel Bemerkenswertes, bis auf die Sommerfahrt 2003. Die Fahrt fand während dem Jahrhundert-Sommer in Frankreich statt, und führte 14 GRCer unter anderem über die Loire und die Vilaine, durch einige interessante Städte und eine Landschaft, die Ihresgleichen sucht, bis in den Atlantik.
Diese zwei Wochen werden wahrscheinlich allen Fahrtenteilnehmern bis in alle Ewigkeit in Erinnerung bleiben.

Probleme

Das Jahr 2004 fing mit einer wunderschönen Osterfahrt auf der Mecklenburgischen Seenplatte vielversprechend an, auch die Anfängerwerbung verlief gut. In den Sommerferien wurde eine 500 Kilometer lange Fahrt auf dem Rhein von Breisach nach Bonn veranstaltet, die trotz des anfangs eher bescheidenen Wetters zu einer Legende werden könnte.
Je näher das Ende des Jahres rückte, desto gegenwärtiger wurde unter den Aktiven ein Stück GRC-Geschichte, das nun schon 30 Jahre zurücklag:
Als damals das „neue“ Bootshaus, auf dem Grundstück des BRV, gebaut wurde, war für den GRC kein Vertrag über „Wohnrecht auf Lebenszeit“, oder etwas Vergleichbares unterzeichnet worden. Der Vertrag sah vor, dass GRC und SRC gemeinsam die ihnen zugewiesene Bootshalle mit den dazugehörigen Werk- und Umkleideräumen und den sanitären Anlagen für insgesamt 30 Jahre nutzen dürfen, und nach Ablauf dieser Frist die Bootshalle dem BRV zugewiesen werden sollte. Das Bootshaus war 1974 bezogen worden, damit lief im Winter 2004 der Vertrag aus.
Der BRV verlangte nun eine Miete für die Halle, die die Stadt Bonn nicht zahlen wollte und die kein Schülerruderverein hätte zahlen können. Die Bemühungen der , ehemaligen GRCer im Bonner Ruder-Verein 1882 blieben erfolglos: Die beiden Schülerrudervereine mussten die Bootshalle räumen.
Und wieder ein neues Bootshaus…
Aber niemand wusste, wohin mit den Booten und dem Zubehör. In diesen Wochen wurden viele Gespräche zwischen der Schulleitung des E.M.A.-Gymnasiums, dem GRC-Vorstand und der Stadt Bonn geführt, bis es schließlich zu einer Lösung des Problems kam: Die Boote wurden über den Winter im Sportpark Nord „zwischengelagert“, bis zwei Hallen des Bootshauses der Universität Bonn am Beueler Rheinufer geräumt waren. Dann wurden Boote, Einrichtungsgegenstände und Ausstattung des Werkraumes eben dorthin gebracht, und man begann allmählich, sich im neuen „Zuhause“ einzurichten. Dieser Vorgang dauert irgendwie immer noch an, da das „neue“ Bootshaus um einiges kleiner ist als das „alte“. Es ist wirklich schwierig, die ganzen Sachen, die man so braucht, irgendwo unterzubringen. Ein gewisser Teil der Boote von GRC und SRC liegt vor der Bootshalle auf der alten, „mobilen“ Stellage des SRC, und ist damit dauerhaft Wind und Wetter ausgesetzt.
Der Vorteil des Gebäudes, das sich, wie es das Schicksal so will in der Ernst-Moritz-Arndt-Strasse befindet, ist, dass es schön gelegen und von einer großen Wiese und einigen uralten Bäumen gesäumt ist. Das ist ideal für Sommerfeste und ähnliche Veranstaltungen. Ausserdem ist es natürlich viel besser, als auf der Strasse zu sitzen. Alles in Allem ist es ein wirklich schönes Zuhause für den GRC. An dieser Stelle möchte ich unserem ehemaligen Schulleiter Arnold Heer sehr herzlich danken. Herr Heer war maßgeblich daran beteiligt, dass der „Deal“ mit der Stadt Bonn überhaupt zustande kam, d.h. dass der GRC jetzt eine Bleibe hat.

Internet, Studenten und eine Polenfahrt

Im Herbst des Jahres 2004 geschah noch etwas: Wir bedienten das Internet. Nicht nur, dass der GRC schon länger eine Internet-Seite hat, auf der man nützliche Informationen bekommt:

www.gymnasial-ruder-club.de

Nein, nicht nur das. Auch unsere Mitglieder sind sehr fortschrittlich, und so geschah es, dass jemand bei ebay einen C-Vierer (Holz, glatte Außenhaut) entdeckte. Der Preis war mit 250€ relativ gering, einziger Nachteil war ein nicht zu verachtendes Loch im Heck des Bootes. Trotzdem beschlossen wir, das Boot mit dem schönen Namen „Wiking“ zu kaufen. Gesagt getan. Das Boot wartet immer noch auf die Fertigstellung der Reperatur, die nun aber wahrscheinlich nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen wird.
Das Jahr 2005 stand im Allgemeinen unter dem Zeichen der Eingewöhnung im neuen Bootshaus, was nicht immer einfach war, da die Schülerruderer oft, und meist wegen Kleinigkeiten, Streit mit der Ruderriege der Universität Bonn bekam. Hier wurde hin und wieder sehr eindrucksvoll bewiesen, dass Alter nicht zwangsläufig mit Weisheit zusammenhängen muss. Aber genug davon. Leider herrschte auf der Lahnfahrt zunächst ziemlich schlechtes Wetter, das die Lahn soweit ansteigen ließ, dass die Schleusen gesperrt wurden und wir nicht mehr rudern durften. Spontan organisierte man einen Bootstransport nach Neuwied, um dort angekommen einen Ruhetag einzulegen, der -nun bei Sonnenschein- mit Schwimmen und Sonnenbaden verbracht wurde. Die warmen Monate des Jahres brachten eine in der Geschichte des GRC noch nie dagewesene Sommerfahrt: Das Ziel des zweiwöchigen Trips war die Masuren-Seenplatte im Osten Polens, die uns eine Zeit voller Abenteuer, spontanen Entscheidungen und sportlichen Aktivitäten, die über das Rudern weit hinausgingen (Boote treideln, tragen, staken, etc…)brachte. Wir werden uns noch lange an die wunderschönen Eindrücke der Landschaft und die herzlichen Menschen unseres östlichen Nachbarlandes erinnern. Wir kommen wieder!

Die Gegenwart

In den Osterferien 2006 wurde eine Fahrt auf dem Neckar veranstaltet, die uns gut auf das weitere Geschehen vorbereitete: Die Anfängerwerbung. Sie verlief inklusive Lahnfahrt ziemlich gut, sodass die nähere Zukunft des Vereins gesichert sein sollte. Ein absolutes Novum brachte eine Initiative unseres Schulhaus-meisters Gregor Baur: Der GRC verfügt neuerdings über einen eigenen Bootshänger. Dieses wunderschöne, fahrbare Gerät wurde von Herr Baur, mit Hilfe der aktiven Ruderer in Handarbeit (!) zusammmengeschweißt, genietet, geschraubt, gezaubert. Die Finanzierung lief über die Ersparnisse des GRC, sowie diverse Sponsoren. Seit Frühling 2006 ist der Hänger nun zugelassen, und transportiert unsere Boote von A nach B. Vielen Dank an dieser Stelle an Herr Baur für sein Engagement! Er konstruierte nicht nur den Bootshänger, sondern schweißte uns die Skullstellagen für das neue Bootshaus, befestigte die Bootsstellagen, half bei der Organisation und Durchführung der letzten Feste, und und und…

Zu erwähnen bleibt, dass der GRC in den letzten Jahren kontinuierlich bei der Europäischen Rhein Regatta (EUREGA) teilnahm, und es stets mit einigen Siegen in verschiedenen Klassen schaffte, am Ende den Pokal für den BESTEN BONNER SCHÜLERRUDERVEREIN mit nach hause zu nehmen. Diese Leistungen wurden im Allgemeinen bald darauf bei der Vergleichsregatta der „AG Bonner Schulen“ durch nochmaligen Gesamtsieg bestätigt. Einzige Ausnahme bildet das Jahr 2005, als wir den Pokal dem GRV überließen, um die Schüler des Beethoven-Gymnasiums nicht total zu entmutigen…
Letztes Wochenende ging der Pokal allerdings wieder an uns.

Damit wären wir nun bei der heutigen Zeit angekommen, und lassen nun die Geschichte auf uns zukommen, die noch geschrieben werden muss.
Ich hoffe Ihnen mit der Geschichte, die geschrieben wurde, und durch die Sie sich gerade hindurchgelesen haben, einen Überblick über die Entwicklung des Gymnasial-Ruder-Club verschafft zu haben. Hierbei habe ich mir den Text „75 Jahre Gymnasial-Ruder-Club am städtischen Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium“ von Volker Senff, den ich in der Festschrift von 1981 fand, als Basis genommen, ihn größtenteils in meine Worte umformuliert, hier und da etwas näher erklärt und hier und da etwas gekürzt. Den letzten Teil über die Zeit nach 1981 habe ich komplett selbst verfasst.

Der weitere Verlauf dieser Vereinsgeschichte liegt in den Händen der Aktiven, insbesondere der Anfänger.